Manche von euch wollen eventuell wissen, wie ich den ‚American Way of Life’ so empfinde oder wie die Amis so sind..
Nun ja, die Amis hier in Kalifornien sind meistens viel freundlicher und entspannter als die Leute bei uns. Nur auf dem Lande trifft man mal ab und zu ein ‚Cowgirl’, d.h. ältere, nicht so freundliche und zumeist wortkarge Frauen. Man kann sehr leicht einen Smalltalk für einige Minuten mit den Leuten auf der Strasse halten, da sie sehr aufgeschlossen und offen einem gegenüber sind. Am Anfang etwas ungewohnt ist die Begrüßung der Verkäufer in den Läden: „How are you?“. Man sollte ihnen schon zumindest mit einem „Fine!“ antworten, doch oft genügt nicht mal das und sie erwarten schon etwas mehr. Unser mürrischer deutscher Blick erntet nur Irritation und fördert eher Besorgnis bei den Verkäufern. Der Service ist hier in den Geschäften aber wirklich sehr gut.
Ansonsten ist hier alles immer noch stark auf Autos im Straßenverkehr zugeschnitten. Es gibt hier in Berkeley zwar sogenannte ‚Bike Boulevards’, Straßen mit Fahrradmarkierung und manchmal auch einer markierten Fahrradfahrspur (Bike Lane). Manchmal aber enden diese ‚Bike Lanes’ einfach abrupt und ich habe das Gefühl die ‚Bike Boulevards’ sollen die Fahrräder nur von den stärker befahrenen Straßen fernhalten. Zum größten Teil benutzen die Leute hier Rennfahrräder und nicht Mountainbikes. Trotz Fahrradschilder mit der Aufschrift ‚Share the Road’ nehmen die Autofahrer kaum Rücksicht auf die Fahrradfahrer. Auf die Fußgänger wird jedoch große, und für unsere Begriffe übertriebene, Rücksicht genommen. Sobald sich ein Fußgänger einem Fußgängerübergang (nicht an allen ist Haltepflicht) nähert, halten die meisten Autofahrer. Das können sich die Leute hier auch leisten, da kaum Fußgänger unterwegs sind. Oft sind wir die einzigen auf den Fußgängerwegen. Zu Fuß gehen ist nicht in hier, Joggen dafür umso mehr. Früh sehe ich viele Gesundheitsfanatiker mit mir die Straße entlanglaufen. Schwierig wird es nur, wenn man an einen Highway kommt. Zu Fuß ist es schwierig diese zu passieren, da oft keine geeigneten Wege existieren.
In Berkeley und San Francisco gibt es viele Restaurants unterschiedlicher Herkunftsländer, wobei indische Restaurants dominieren. Die Preise in den Restaurants sind oft sehr günstig, besonders im Vergleich zu den Lebensmitteln im Supermarkt, was Einen öfter dazu verleiten kann, ins Restaurant essen zu gehen anstatt selbst zu kochen. Ein Hauptgericht kann man oft schon für 6 Euro bekommen und Wasser oder Tee gibt es oft kostenlos dazu. Die Restaurants werden nicht nur von uns gut genutzt. In Deutschland sollte auch niemand über Lebensmittelpreise meckern. Bei all meinen Auslandreisen hab ich das Gefühl, als ob nirgends die Lebensmittelpreise im Verhältnis zum Einkommen so gering sind wie in Deutschland.
Was ein bisschen nervt, sind die permanenten Sicherheitshinweise auf alle möglichen Gefahren, auch wenn sie noch so trivial sind. Kein Wunder, dass man die ‚gewöhnlichen’ US-Amerikaner so leicht mit der Angst vor dem Terror lenken kann, wenn man von klein auf an jeder Ecke gesagt bekommt, dass man vorsichtig sein soll. Trotzdem sind die Leute aber sehr überzeugt von sich und von dem was sie tun, manchmal fürchte ich, mit nicht allzu viel in der Hinterhand. „Absolut kein Problem“ hört man hier fast immer und dann funktioniert es doch nicht reibungslos. Was mich persönlich aber am meisten stört ist der Umgang mit Zeitangaben. Wie oft man hier hört „just a minute“ (nur eine Minute) oder auf Wartezeiten von 5 bis 10 Minuten vertröstet wird, was am Ende leicht in 30 bis 45 Minuten enden kann. Was ich hier schon wegen nicht nachvollziehbaren Gründen gewartet hab! Manchmal kommen die Leute auch gar nicht und rufen den nächsten Tag an, dass sie es nicht mehr geschafft habe. Diese Unzuverlässigkeit ist echt hart für einen Deutschen.
Das bisher Geschriebene bezieht sich zumeist auf die Stadt. Auf dem Lande sieht das Leben dann wieder anders aus. Aber ich war noch nicht oft genug ‚draußen’, um das Leben auf dem Land zu beschreiben. Das kommt dann ein anderes Mal.
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