09.-12.07.12
Im
Tagungsgebäude konnte man während der Konferenz an einer
Teezeremonie und einem 'Flower arrangement' (Anfertigung eines
Blumengestecks) teilnehmen. Barbara und ich nahmen an der
Teezeremonie
teil, bei der man Grünen Tee auf besondere Weise zubereitet in
speziellen Bechern gereicht bekam. Die Blätter des grünen Tees
wurden vorgemahlen als Pulver vor unseren Augen mit heißem Wasser
und einer Art kleinen Schneebesen aus Bambus zu einem sämigen grünen
Getränk verrührt. Der Tee schmeckte recht stark, war aber sehr
belebend. Am Ende bekamen wir noch ein kleines typisch japanisches
Dessert, bei dem es sich um sehr süßes festes Gelee mit süßem
Bohnenmus handelte. Die Teezeremonie läuft nach mehr oder weniger
strikten Regeln bzw. Bewegungsabläufen ab und es wird sich oft
verneigt. Generell nimmt das Verneigen in der japanischen Kultur
einen hohen Stellenwert ein. Barbara nahm dann noch am Flower
arrangement teil und fertigte ein wirklich hübsches Blumengesteck
an, welches unser eher trostloses Hostelzimmer um die letzten Tage
verschönern sollte.
Ich hatte
meinen 12-minüten Vortrag am Dienstagmorgen und war in einer extrem
schlechten physischen Verfassung, da mich in der Nacht ein
Migräneanfall gegen 3 Uhr aus dem Schlaf riss. Auch 2 Paracetamol
halfen nicht viel, und ich kämpfte mich mit Übelkeit und
Kopfschmerzen bis zum Morgen. Der Vortrag lief dann wohl eher
bescheiden, was schade war, da viele bekannte Wissenschaftler
anwesend waren und ich eigentlich eine gute Performance bieten
wollte. Barbara hatte ihren Vortrag am Mittwoch.
Nach der
Tagung hatten wir manchmal noch ein wenig Zeit in Kyoto
herumzuschauen. Die Tempelanlagen schlossen aber meist schon vor 17
Uhr und um 19:30 Uhr war es schon recht dunkel, was die
Erkundungstouren dann doch mehr auf die Straßen beschränkte.
An einem
Tag, an dem das Tagungsprogramm nicht viel Interessantes versprach,
machten wir uns auf den Weg zum
Biwaseemuseum.
Es war ein wirklich schönes, modernes Museum mit Themen rund um den
Biwasee. Es gab einen Audioguide in Englisch und viele interaktive
Erkundungsmöglichkeiten. Leider waren die Beschreibungen an den
Exponaten meist nur auf japanisch und der Audioguide lieferte nur
sehr grundlegende Informationen. Trotzdem konnten wir uns ohne
Probleme etliche Stunden im Museum aufhalten, welches auch eines der
größten Süßwasseraquarien beherbergt.
Die
Fischerei war und ist eine bedeutende Nutzung des Biwasees. Fische
aller Größen und Arten werden mit sehr verschiedenen Methoden
gefangen, von Reusen über Netze bis hin zu komplizierten
Fangapparaten.
Einen
besonderen Stellenwert unter den Fischen nimmt der Wels,
Namazu
genannt, in der japanischen Mythologie
ein. Es gibt zahlreiche Geschichten um den Wels und anscheinend soll
er auch für Erdbeben verantwortlich sein. Außerdem gibt es auch
eine große, nur im Biwasee vorkommende W
elsart:
Silurus biwaensis.
Ich möchte
aber auch noch erwähnen, dass die aus Nordamerika eingeführten
Fischarten wie der Forellenbarsch (Large mouth bass) oder der Blaue
Sonnenbarsch (Bluegill), der einheimischen Fischfauna extreme
Probleme bereiten. Die gefräßigen invasiven Barsche fressen die
Jungfische der einheimischen Fische. Deshalb gehen die einheimischen
Fischarten in ihrer Zahl zurück und die eingeführten Arten
dominieren. Im Biwaseemuseum befindet sich deshalb auch eine
Aufzuchtstation für einheimische Arten, welche von dort wieder
verstärkt angesiedelt werden sollen.